Stadtrat beschließt Aus für das Frechener „Juka“

Von WOLFGANG MRZIGLOD

FRECHEN. „Ich schäme mich in dieser Stadt leben zu müssen“ – „Sie haben schuld, wenn unsere Kinder auf der Straße landen.“ Wütend und aufgebracht verließen rund 100 Eltern nach über zweistündiger Diskussion nur langsam den Ratssaal.
Sie konnten nicht verstehen, was da vor ihren Augen gerade passiert war, wollten nicht begreifen, dass CDU und FDP, ohne zu zögern, der Auflösung des Jugendzentrums Kapfenberger Straße (JUKA) und der Aufhebung des Trägervertrags mit dem Verein „Jugendheim Habbelrath“ zugestimmt hatte.
Weder der dringende Appell von Thomas Brauer, dem Vertreter von Falken und Trägerverein „den Kindern und Jugendlichen eine zu geben“, noch der Protest der anwesenden Kinder mit Plakaten und Blumen, fruchtete bei den Christdemokraten.
Jochen Naumann (CDU) machte deutlich, dass der bisherige Träger für ihn und seine Fraktion kein Diskussionsthema mehr ist: „Für die ist hier kein Platz mehr.“ Dem schloss sich Albert Tendick (FDP) an, der den „Feind“ schon ausgemacht hatte und die „Kompanien“ der Falken als „schädlich für Frechen“ beschrieb.
Naumann, der sich ob seines Handelns heftige Vorwürfe von den Sozialdemokraten anhören musste, weil er die Verwaltungsvorschläge konsequent verteidigte und auf der Schließung bestand, weil „Stadtranderholung und Hausaufgabenbetreuung nicht zur Diskussion stehen und den Kindern und Jugendlichen durch die Schließung keinerlei Schaden entstehen würde, wenn sie ins Deluxe gehen“, verlor kurzzeitig die Fassung, als ihm Willkür vorgeworfen wurde.
SPD und Grüne versuchten bis zuletzt, sich für den Erhalt des JUKA und den Vertrag für Habbelrath einzusetzen. Mit Hohngelächter quittierten sie Naumanns Rechtfertigung, er würde gerne das Habbelrather Jugendheim einem der „SPD nahestehenden Verein“ übertragen.
Der Habbelrather Willi Giessen (SPD) warf den Vertretern der CDU-Mehrheit vor, sie seien total überfordert, weil sie nie vor Ort gewesen seien und keine Ahnung habe, was dort geleistet werde. „Wer mit der Jugend leichtfertig umgeht, versündigt sich an ihr.“
Proteste, harsche Vorwürfe und auch die Warnung, man wolle juristische Schritte gegen den Beschluss einleiten, brachte nichts. Bürgermeister Hans-Willi Meier, der hinter seiner Verwaltung stand, „wir werden kein Jota an der Vorlage verändern.“
Die namentliche Abstimmung brachte das erwartete Ergebnis: CDU, FDP und der Bürgermeister stimmten mit 25 Stimmen für die Verwaltungsvorlage, die 18 Vertreter von SPD und Grüne lehnten sie ab.

Quelle: Kölnische Rundschau, Ausgabe vom 07.11.2002