Jubiläum mit Antwerpes

Dr. Franz-Josef Antwerpes, Regierungspräsident a.D.
Festredner Dr. Franz-Josef Antwerpes, Regierungspräsident a.D.

Keine Lobhudelei, keine übertrieben großen Worte über Vergangenes, nicht einmal wirklich warme Worte für die eigene Partei, deren Bundespolitiker und für die Politik der großen Koalition: Statt dessen war der ehemalige Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes (SPD) am Samstag ins CJD-Jugenddorf nach Frechen-Bachem gekommen gekommen, um der Vorsitzenden Brigitte D’moch-Schweren und den Parteifreunden zum 100-jährigen Bestehen der SPD Frechen zu gratulieren.
Vor hundert Jahren hatte sich eine Gruppe von Arbeitern im „Waldschlösschen“ auf der Herbertskaul getroffen, um die örtliche sozialdemokratische Partei zu gründen. Dass die SPD in Frechen wesentlich das Geschehen vor Ort mitgestalten würde, hätte damals niemand wirklich vermutet, resümierte der stellvertretende Bürgermeister Hans Günter Eilenberger. „Die SPD war 50 Jahre lang die bestimmende Kraft in Frechen“ – dank ihrer Bürgermeister Johann Schmitz (1948-1958, 1961-1972), Kurt Bornhoff (1958-1961, 1972-1988), Jürgen Schaufuß (1988-1999) und den Stadtdirektoren Heinz Filz und Dr. Peter Arend. Bestimmende Themen der Partei waren etwa der Rathausneubau und Gewerbegebiete.
„Ich habe noch nie einen Festvortrag halten, und das werde ich auch heute nicht tun“, stellte Antwerpes klar. Und dann legte der 72-Jährige los. „Kann mir hier irgendjemand die Eckpunkte der Gesundheitsreform nennen?“ Als zwei oder drei Gäste zögerlich aufzeigten, lachte Antwerpes und sagte lakonisch „Ihr Glücklichen.“ „Die politischen Entscheidungen werden immer komplizierter. Wie will man von dem normalen Bürger erwarten, dass er da noch durchsteigt?“ Es sei ein wesentlicher Grund dafür, dass die Parteien „so viele Federn gelassen haben“.
Wenig nette Worte hatte Antwerpes für seine Kölner Parteifreunde übrig. Sein goldenes Parteijubiläum sei dem Kölner Unterbezirk offenbar durch die Lappen gegangen. „Ich habe mir gedacht, die sollen es merken“, erzählte Antwerpes mit einem verschmitzten Lächeln. Er habe die erste Seite seines Parteibuches eingescannt und „ganz modern“, wie er betonte, „als Email-Anhang verschickt.“ Und tatsächlich gab’s ein paar Tage später einen Blumenstrauß aus der Parteizentrale.
Seit sieben Jahren ist Antwerpes Pensionär. Langeweile scheint bei ihm nicht aufzukommen. So reist er etwa als Moderator mit einem klassischen Ensemble durchs Land – und er hält sich fit. „Gestern Abend bin ich noch durch den Stadtwald gejoggt“, berichtete er. „Sechs Kilometer, und die mit einer Taschenlampe in der Hand.“
Beim Festakt ausgezeichnet wurden Anton Lux für 60-jährige, Willi Töller und Georg Streich für 50-jährige Mitgliedschaft.