CDU will IB vor die Tür setzen – SPD fordert energisch zur Besonnenheit auf

Jürgen Weidemann

Man fasst es nicht! Wer in der letzten Sitzung des Frechener Schulausschusses war, glaubte sich zeitweise im Absurden Theater. Die CDU brachte das Stück „Kündigung des IB-Standortes Im Kuckenthal“ zur Aufführung und überraschte die Zuschauer mit teils aberwitzigen Ideen.
Die Fakten: Der Internationale Bund für Sozialarbeit, kurz IB, genannt, betreibt am Standort Kuckenthal eine Einrichtung für sozial stark benachteiligte Jugendliche. Junge Menschen ohne Chancen auf eine Berufsausbildung, die ansonsten in der Gesellschaft untergehen würden. Das ist eine wichtige Arbeit, die in der Sozialarbeit unserer Stadt Teil eines Netzwerkes ist. Dieser Einrichtung will die CDU nun kündigen, um zu einem späteren Zeitpunkt die leergewordenen Gebäude zu sanieren und einer von ihr nicht näher genannten Nutzung zuzuführen.
Man drängte auf Eile und wollte im Hauruckverfahren die Zustimmung zur Kündigung im Schulausschuss durchwinken lassen. Welcher Art und welchen Umfangs die Sanierung denn sei, das wussten die Christdemokraten nicht so genau, die in dieser Hinsicht Einblick gebende sogenannte „Nattlerstudie“ hatte man noch nicht zur Kenntnis genommen. Erst mal frei räumen, dann weitersehen, lautete die Devise.
SPD-Ratsmitglied Jürgen Weidemann zeigte sich empört. Die Tatsache, dass man alternativlos eine der wichtigsten Säulen der Sozialarbeit in Frechen fällen wolle, mache ihn fassungslos. „Es gibt hier noch keinen Sachstand, auf dessen Grundlage man eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite fällen kann. Auch im laufenden Schulbetrieb wird es einem Architekten möglich sein, die genauen Schäden im Gebäude zu dokumentieren. Dafür muss man doch nicht zuerst das Gebäude frei räumen. Es könnte sich nämlich heraus stellen, dass wir es mit einer Investitionsruine zu tun haben!“
Schulausschuss-Vorsitzende Doris Steinmetzer betonte, darüber hinaus sei es nicht Sache des Schulausschusses, über Fragen der Sozialpolitik, Gebäudeangelegenheiten und Mietangelegenheiten zu entscheiden. Das Thema gehöre in die dafür zuständigen Ausschüsse.