Ebnet die FDP den Weg für teureres Wasser von gleicher Qualität?

Seit dem die Rheinenergie die Trinkwasserversorgung für große Teile Frechens auf die Kölner Brunnen umgestellt hat, hat auch die FDP die Trinkwasserqualität für sich als Thema entdeckt. Aber geht es der FDP dabei tatsächlich nur um die Wasserqualität?

Das Wasser sei nach der Umstellung so kalkhaltig, dass Haushaltsgeräte wesentlich häufiger entkalkt werden müssten als vor der Umstellung. Auch die Lebensdauer der Geräte werde dadurch erheblich verkürzt sagt die FDP. Das mehr Kalkablagerungen im Wasser sind als vor der Umstellung mag ja noch richtig sein, aber eine Verkürzung der Lebensdauer der Haushaltsgeräte lässt sich nicht nachweisen.

Ein Laborversuch der Rheinenergie kommt zu dem Ergebnis, dass die zusätzlichen Kalkmengen nicht so gravierend sind, denn verantwortlich für den Kalk in den Haushaltsgeräten ist nicht die Gesamthärte des Wassers, sondern der temporär gelöste Kalkanteil und der ist bei den untersuchten Brunnen vergleichbar hoch. „In den Praxistests zeigten die Brunnen aus Köln, Türnich und Dirmerzheim ein sehr ähnliches Verkalkungsverhalten. Trotzdem ignoriert Herr von Rothkirch diese Labormessungen“, sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Jürgen Weidemann.

Hinsichtlich des zukünftigen Wasserpreises hat bisher nur die Rheinenergie eine belastbare Kalkulation vorgelegt. Demnach würde der Preis bei einer Reaktivierung der Brunnen Türnich und Dirmerzheim um 30 bis 50 Prozent ansteigen, also in der Spitze die besagten 200 Euro pro Jahr, weil Investitionen ins Leitungsnetz notwendig würden. Außerdem gehören die beiden Wasserwerke der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerkgesellschaft RWW (eine RWE-Tochtergesellschaft) von der das Wasser erst bezogen werden müsse. Ein Wasser mit unwesentlich geringerer Härte werde aber in jedem Fall höhere Bezugspreise zur Folge haben.

Herr von Rothkirch bestreitet das und behauptet, die Kalkulation der Rheinenergie entspreche nicht den Tatsachen. Nach seiner Kenntnis müsse man für Wasser aus Türnich nur einen Leitungstest machen und den Hahn aufdrehen. Belastbare Fakten dazu hat er allerdings bis heute nicht vorgelegt.

„Bei einem neuen Trinkwasserversorgungsvertrag ist für die SPD wichtig, dass die Wasserqualität und der Preis in einem etwa gleichwertigen Verhältnis zueinander stehen und der Preis hinterher auch stabil bleibt“, sagt Weidemann.

Dennoch hat die FDP maßgeblich dafür gesorgt, dass der künftige Wasserpreis nur noch eine untergeordnet Rolle spielt. Und so, wie das Paket jetzt geschnürt ist, kann es durchaus passieren, dass wir hinterher zwar in etwa wieder die gleiche Wasserqualität bekommen, dafür aber einen höheren Preis bezahlen müssen.

Da bleibt zum Schluss die Frage, wird hier gezielt Lobbyarbeit in eine bestimmte Richtung betrieben?